Stellungnahme
Stellungnahme des AK Wohnen der Münchner Studierenden zur aktuellen BAföG-Debatte, angestoßen von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär
„Kein Vollkaskostudium“: Mit der Absage der BAföG-Erhöhung hat Bundesforschungsministerin Dorothee Bär viele junge Menschen in ganz Deutschland vor den Kopf gestoßen. Für Studierende in München klingt das wie eine Beleidigung. Denn wer hier studiert, weiß: Die eigentliche Belastung ist nicht ein angeblich zu bequemes Studium, sondern die kaum noch bezahlbare Miete.
Laut Erhebungen des Moses-Mendelssohn-Instituts liegen die durchschnittlichen Kosten für ein WG-Zimmer in München bei rund 800 Euro; andere Auswertungen nennen ebenfalls sehr hohe Werte, die München bundesweit an die Spitze setzen. Selbst mit dem BAföG-Höchstsatz sind diese Kosten für viele Studierende kaum zu stemmen. Wer nicht auf finanzielle Unterstützung aus dem Elternhaus zurückgreifen kann, wird in München schnell an die Grenze der Armutsgefährdung gedrängt.
„Wenn die BAföG-Erhöhung nicht kommt, ist das auf vielen Ebenen falsch. Münchner Studierende jobben ja bereits, aber trotzdem reicht das meist nicht für ein Leben über der Armutsgrenze. Bei zwei bis drei Arbeitstagen pro Woche ist ein Vollzeitstudium nebenher für viele kaum noch zu stemmen, geschweige denn Freizeit und ein Leben außerhalb der Arbeit. Wenn Studierende sich das Leben in München weiterhin kaum leisten können, dann braucht sich die Politik nicht zu wundern, wenn an den Münchner Exzellenzunis die Studierendenzahlen sinken. Die Folgen dieser Politik wird auch die regionale Wirtschaft langfristig zu spüren bekommen, wenn kluge Köpfe ohne reiche Eltern lieber woanders oder gar nicht studieren, als sich hier abzukämpfen.
betont Alexander Schiller, Sprecher des AK Wohnen
Der AK Wohnen hält fest: BAföG und Wohnen müssen gemeinsam gedacht werden. Eine Studienfinanzierung, die die realen Wohnkosten in München nicht abbildet, verfehlt ihren Zweck. Wer Bildungsgerechtigkeit ernst meint, darf die Frage nach bezahlbarem Wohnraum nicht von der Frage nach sozialer Absicherung trennen.
Daraus leiten wir drei Kernforderungen ab:
- BAföG muss an reale Wohnkosten angepasst werden. Die tatsächlichen Münchner Mieten müssen bei der Förderung stärker berücksichtigt werden.
- Es braucht mehr bezahlbaren Wohnraum und mehr Wohnheimplätze. BAföG allein löst die Wohnungsnot nicht, wenn das Wohnungsangebot weiter hinter der Nachfrage zurückbleibt.
- Studienfinanzierung darf soziale Ungleichheit nicht verstärken. Herkunft und Einkommen der Eltern dürfen nicht darüber entscheiden, ob ein Studium in München machbar ist – das BAföG ist derzeit das wichtigste Staatsmittel dafür und muss reformiert werden.